– Im Sportverein –

im-sportvereinIm neuen Jahr möchte ich mehr Sport machen. Also gehe ich in einen Badminton-Verein zum Probetraining. Soweit so gut. Ich erwarte: Knieschützer, Schweißbänder, Muskelfaserrisse, hartes Training.

Aus meinem weit reichenden Erfahrungsschatz des Unisports (17 Semester) weiß ich, dass Männer beim Badminton (vielleicht ähnlich wie beim Tischtennis) meistens aussehen wie Goofy oder Homer Simpson. Doch was mir an diesem Abend begegnet ist anders und doch nicht minder verstörend. Erst mal erwarten mich in der Halle nur 3 oder 4 Hanseln die sich nicht trauen Hallo zu sagen.

Na ja, kann alles noch werden, erst mal umziehen. Dann stellt sich die Wahl: Spiele ich mit den vier ca. 60,70 jährigen Herren oder mit dem 16jährigen Jüngling mit Milchbart (der Milchbart ist ein eindeutiges Anzeichen für die vaterlose Gesellschaft!)?

10 Minuten später: Ich will gerade anfangen mit Mr. Pubertät zu spielen (die älteren Herren sind in einem Match), da sagt der doch tatsächlich zu mir: „Normalerweise wärmt man sich vorher ein paar Runden auf!“ Unfassbar! Also gut, ich kann mir das Lachen gerade noch verkneifen und hoppele drei Bahnen um die Halle wobei ich merkwürdig beäugt werde (was auch daran liegen kann dass ich seit dem Schulsport vor 10,15 Jahren keine ‚Runden’ in Hallen mehr gelaufen bin). Schließlich beginnen wir zu spielen. Nach einer Weile passiert es:

Bumm.

Der Jüngling sagt zu mir: „ Wollen Sie auf der linken Hälfte spielen?“ ÄH?? Was??
Der siezt mich!!!!!
Ich fasse es nicht. Ich brülle zu ihm rüber, dass er mich dutzen kann und beiße mir dabei auf die Zunge. Ich überlege zu fragen ob ich seine Mutter beim nächsten Elternsprechtag mal bitte sprechen könne. Während des weiteren Spiels kommen mir einige nicht-jugendfreie Gedanken hoch.

In einer kurzen Pause: „Wollen Sie mal ein Schluck Wasser trinken?“ kommen die 60,70jährigen rübergeschlufft.

Der eine erzählt mir kurz irgendwas und klopft mir dann freundschaftlich auf den Hintern. Wer weiß, vielleicht wollte er nur nett sein und hat einfach den verlängerten Rücken erwischt. Man weiß es nicht. Nun gut. Milchbart erneut zu mir: „Wollen Sie nicht da drüben spielen?“

Er deutet auf die 3 inzwischen eingetroffenen Frauen, die am Ende der Halle bereits spielen. Ich nehme dankbar an und gehe rüber. Leider konnte ich von soweit weg nicht erkennen, dass es sich bei denen „da drüben“ um 50 jährige Frauen handelt. Herr im Himmel! Ich bin 29!

Ist es schon soweit? Typ Mutter? Typ Kurzhaarschnitt? Typ Kurzhaarschnitt gewellt und gesträhnt? Typ Wattejacke von Tchibo?

Ich meine: eine von denen hat ernsthaft schon graue Haare. Und die anderen haben so neckische Kurzhaarschnitte, die sich GOTT-sei-es-GETROMMELT jede Frau ab 40 schneiden lässt. Kurze Haare, Dauerwelle, blond oder rot gefärbt. Noch dazu schlecht gefärbt. Nein. Nein. Es kann noch nicht soweit sein.

Und dann diese verkrampften Gesichter. Zugegeben, die Damen spielen wirklich gut, eindeutig besser als ich…. Zack. Aufschlag. Verloren, gut wir wechseln.

Mal mit anderen spielen. Im nächsten Moment finde ich mich wieder mit Milchbart, Arschklopfer und noch einem anderen 60 jährigen. Leider spielen diese wirklich noch besser und vor allen Dingen lange. Die Herren möchten das System spielen was im Badminton üblich ist und einigermaßen frauenfeindlich. Ich habe es schon beim Unisport immer gehasst und da wurde es meist nicht gespielt. Höchstwahrscheinlich weil man Angst hatte dass eine Gender-Studentin sich beschwert. Jedenfalls steht der ‚schlechtere Partner’ vorne und das ist beim Badminton ziemlich automatisch die Frau.

Ach egal. Nur leider komme ich mit dem System nicht klar und zwar deshalb weil ich a) gerne hinten spiele um mal zwischendurch auf den Ball draufzudreschen und b) vorne am Netz gar nicht spielen kann weil ich anfange zu schielen und dann nix mehr sehe und mich im Netz verheddere. Das habe ich dann auch versucht zu erklären während mein vermeintlich so viel besserer Spielpartner Milchbart hinten hin und her hechtete.

So kam dann das nächste Problem auf mich zu. Frauen dieser Welt! Hört mir zu, ich gebe Euch einen guten Rat! NIEMALS unter KEINEN UMSTÄNDEN  beim Sport (oder am besten nirgendwo) so was sagen wie: „Das verstehe ich nicht“ oder „ Wieso muss ich vorne stehen?“.  (In dieselbe Kategorie fallen auch Fragen wie: „Wieso benutzt man ausgerechnet diese Angelrute?“, „Was genau ist eigentlich dieses Abseits?“ oder „Wie genau funktioniert denn dieses Computerprogramm?“)

Arschklopfer, Milchbart und der 60jährige stürzten auf mich zu und beginnen alle gleichzeitig wild gestikulierend mir zu erklären und zu zeigen. Wie gerne Männer erklären! Die Arme rudern, man stellt sich hinter mich, zeigt mir die Bewegungsabläufe, man führt meinen Schläger.

Arschklopfer legt beruhigend seine Arm um mich: „Hey, Du machst das schon ganz gut.“ Dann tritt der 60jährige auf mich zu. Er tritt GANZ NAH an mich ran um mir zu erklären wohin ich mich nach dem Aufschlag bewegen muss. Das ist nett aber leider kann ich mich nur auf seine krass langen Augenbrauenhaare, Nasenhaare und Ohrenhaare konzentrieren. Ich raffe es einfach nicht. Sagt ihm das niemand?  Schaut der mal in den Spiegel?

Gut, die Männer sind fertig und gehen befriedigt glucksend an ihre Plätze zurück. Ich durfte mit großen staunenden Augen von ihnen lernen. Das Spiel gestaltet sich danach einigermaßen aber ich muss immer wieder mit den Spielpartnern ‚einschlagen’. Have five. Yeah!

Das habe ich auch nie kapiert. Davon abgesehen, dass ich das nicht kann und immer halb daneben schlage oder schluffig flapschig irgendwie auf die Hand treffe und mir dabei TOTAL stulle vorkomme, davon abgesehen haben manche Männer raue eklige hornhautige, rissige Hände. Ich ziehe mich dezent nach dem ‚Match’ zurück.

Am Rande sitzend schaue ich mir das Paar an, was auch noch zum Spielen hinzugekommen ist. Gerade als ich denke, es könnte alles nicht schlimmer kommen sehe ich, dass der bierbäuchige Freund ein Tshirt trägt mit der Aufschrift: „Ich bin über 30 und habe trotzdem Spaß!“

Ich will einfach nur weg. Gut, dass sich die Veranstaltung zum Ende hinneigt, ein bisschen deprimierend sucht Milchbart im Spurt das Weite und das, obwohl ihm hinterher gerufen wird: „Mensch, Du kannst doch noch mit der jungen Dame spielen!“ Nun gut, auch ich ziehe mich um.

Beim Rausgehen schaue ich mir auf einer Tafel noch die anderen Angebote des Vereins an: Volleyball, Fitness, Schach, Asphalt-Kegeln…

Huh? Asphalt-Kegeln? Ich stelle mir vor, wie der Trainer da in die Hände klatscht und ausruft: „So, die Kegelbahn ist zu teuer, wir gehen jetzt mal raus on the Street!“ Klar, wahrscheinlich sind beim Schach und Asphalt-Kegeln die coolen, süßen, hippen Typen Berlins anzutreffen, denke ich und mache mich auf dem Weg zum Spätkauf.

Und da stehe ich dann mit zwei Sternburg und Zigaretten an der Kasse, prompt ist einer der ersten Mitspieler vor mir an der Kasse (ein verhuschter ca. 26jähriger der so unauffällig war, dass ich ihn kaum gesehen hatte). Er wirft einen Blick DER BÄNDE SPRICHT auf meinen Einkauf und was kauft der?? Eine Zitrone. Ich bin mir dann doch ziemlich sicher, dass er zusammen mit seiner braunhaarige, bebrillten Freundin eine heiße Zitrone trinkt und früh zu Bett geht.

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