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Dit is Berlin, wa?!

War lang genug da – Der Text In Berlin, You Never Have to Stop bringts auf den Punkt. Genial.

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Tschüss Ihr Idioten..

Frau Blogonese verabschiedet sich in den Urlaub. Wenn ich wiederkomme dann ist hier Sommer. Habe ich beschlossen. Bis dahin und nichts für ungut, Eure Frau Blogonese!

tschuess-ihr-idioten

Bis denne..

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Irgendwas mit Medien

mixtapeMenschen um die 30, studiert und abgebrannt. So dümpelt eine ganze Generation dahin. Wir sitzen in Cafés in Neukölln herum und wohnen in einer WG mit Kohleofen. „Urbane Penner“ eben. Und mit Grapefruit-Becks in der Hand steht man dann auf dem Bürgersteig vor hippen Läden herum. In seiner Freizeit hangelt man sich von Projekt zu Projekt.

Ohne Krankenversicherung, Urlaub, Elterngeld, Rente, ohne Verträge und ohne festes Gehalt. Aber dafür mit Wegwerf-Profilen auf Facebook und im normalen Leben. Seriös bei XING, lustig bei MySpace, gähnend bei Twitter. Ein Profil für potenzielle Arbeitgeber, eins für die Familie, eins für die Freunde. Neue Medien eben. Netzwerke. Wobei ich hörte, dass Facebook jetzt wieder out ist, weil sich die eigenen Eltern da inzwischen auch anmelden. In jedem Netzwerk zu Hause und jeden Tag online

Irgendwas mit Medien. Vielseitigkeit ist unser Metier. Wir können alles, aber ohne Bezahlung. Die Fotos, auf denen wir nicht nur glücklich, sondern auch gut aussehen, finden wir bei flickr oder sonstwo. Ob nun arbeitslos oder unterbezahlt oder nicht, man ist immer erreichbar, in jedem Netzwerk zu Hause, jeden Tag online. Es geht um den coolsten Blog und die meisten Verfolger bei Twitter. Hauptsache überall dabei sein und nichts mehr verstehen und nichts mehr verdienen.

Generation Doof, Generation Praktikum, Generation Umhängetasche, Digitale Bohème… Namen gibt es viele. Aber hat sich seit 1991, seit Generation X, überhaupt irgendetwas wesentlich verändert? Bereits 1994 in „Reality Bites“ wird Winona Ryder (als Lelaina Pierce) unter anderem darüber depressiv, dass sie als Uniabsolventin nun als Freischaffende und Praktikantin umherkrebst und es weder schafft bei McDonalds zu arbeiten noch irgendwo in den Medien. Fahrstuhl-Pitch („Definieren Sie in 10 Sekunden Ironie“) inklusive.

Angeblich betraf das alles bisher speziell die Geisteswissenschaftler. „Krise“ wird es erst genannt, wenn auch andere Fachbereiche betroffen sind. Eine Krankheit, die besonders auffällig ist: Minderwertigkeitskomplex durch ein geisteswissenschaftliches Studium. Wenn einem jahrelang erzählt wird, dass so ein Studium nichts wert ist, außer wenn man Lehrer wird, glaubt man das irgendwann auch. Früher, so erzählte man mir, gab es da noch ein anderes Selbstverständnis. Da hatten die schönen Geisteswissenschaften noch eine Aura der Würde. Die Zeiten sind lange vorbei.

Statt um Bildung geht es jetzt eher um Jobchancen. Das lange, planlose Studieren der faulen Magisterstudenten wurde abgeschafft. Nur leider bringen schnelle, oberflächliche Studiengänge nichts, wenn es keinen Arbeitsmarkt dafür gibt. Jobchancen gab es damals wenige und jetzt gibt es noch weniger. Ein gutes Argument, um ganze Studiengänge dann komplett einzustampfen.

Viele Eltern der Kinder aus den 70ern und den frühen 80ern waren stolz, als ihre Kinder Abitur machten und ein Studium begannen. Worte wie Freiheit und Magister lagen in der Luft. Heute gehen wir kaputt an der vielen Freiheit und fragen uns, was wir anders hätten machen können. Doch darauf findet man keine Antwort. Schnelles Studium, unbezahlte Praktika und diverse Auslandsaufenthalte muss man sich erstmal leisten können und sind ohnehin kein Garant mehr für eine Arbeit. Erwachsenwerden? Können vor Lachen!

In den neuen Medien lesen wir, dass wir die neuen Medien sind. Wir twittern nicht nur, wir skypen und youtuben und ebayen und googeln und bloggen. Nebenher kochen wir was Ausgefallenes aus einem Jamie Oliver Buch. Man ist flexibel ohne Gleichen. Überall zu Hause. Alleskönner. Allesfresser. Während wir für zehn Praktika in zehn verschiedenen Städten sind, bekommen wir Kinder und machen uns selbständig oder arbeiten „frei“. Aber nicht jeder ist ein Künstler. Oder ein Lebenskünstler. Oder hat überhaupt ein Interesse daran mit 30 Jahren nach zehn Jahren Studium, langer Nebenjobtätigkeit und Millionen Praktika gerne den Zustand von Unsicherheit und Armut noch zu verlängern.

So mancher Magisterstudent ist jahrelang arbeiten gegangen und kam trotzdem noch nie in den Genuß von bezahltem Urlaub. Von so was wie Rente oder einer Absicherung im Krankheitsfall kann man nur träumen. Und dann bewirbt man sich nach abgeschlossenem Studium mit 3000 Mitbewerbern auf ein „Volontariat“ für ein halbes Jahr: „Berufseinsteiger mit viel Berufserfahrung gesucht!“ Der Trend geht zum „Alles können“. Wäre ja schön, wenn man es neben dem Studium und dem Arbeiten noch geschafft hätte, die ganze digitale Welt aufzusaugen.

Zeitgleich liest man die gute alte Zeitung, hat die „Neon“ unterm Arm geklemmt und ein Abo von der „Zeit“, das man sich schon längst nicht mehr leisten kann. Coole Musik auf dem Ipod, man trägt Umhängetasche aus Lkw-Plane und denkt manchmal zurück an die Zeit, als man noch Kassetten-Mix-Tapes machte und manche Leute sich sogar einen Golf leisten konnten. Arm is the new sexy. 140 Zeichen bestimmen die Welt.

Knall-enge Heroin-Hosen auf halb 8. Jeder will aussehen wie Heroinsüchtige aus London und wird Assistant Manager oder Second Level Support oder Trainee oder Community Manager oder Flasher oder Senior Associate Accounting oder SG-Operator oder Senior-Irgendwas oder Junior-Irgendwas oder Senior Executive Partner oder Contentmanager oder Irgendwas-Developer oder KeyAccount Manager oder Controller-Irgendwas oder Corporate Affaire Manager oder Consultant oder Chief Human Resource Officer oder Head of Content.

Zwischendurch lesen wir Wikipedia und essen Sushi und hangeln uns ohne Kündigungsschutz von Projekt zu Projekt. Ansonsten genießt man seine Freiheit und sitzt depressiv mit einer Bionade in der Hand in Neukölln im Straßencafe. Mfg von ihrem Bankberater. Und von ihrem Zahnarzt. Rechnung offen. Und ansonsten gönnt man sich den Luxus Praktikum. Acht Wochen in irgendwo, unbezahlt.

Und eine schöne Perspektive vor Augen: Junge aufstrebende Bachelorstudenten und Praktikanten, die alle relativ betuchte Eltern haben, da es anderen kaum noch möglich ist zu studieren, übernehmen die Arbeitswelt. Und stellen später mit Freude weiter und immer weiter Praktikanten ein. Burn out Deluxe. Hello Hartz4. Wie sagt man so schön: ‚Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel’. Und wenn sie nicht gestorben sind, strahlen sie freudig einer unbezahlten Zukunft entgegen. Ihr Zustand bei Facebook: Mir scheint die Sonne aus dem Arsch!

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– Der Kinobesuch –

Der Verlust eines Handys ist eine traurige Angelegenheit über die es gilt nicht zu spaßen.

Ich möchte Euch dagegen eine wahre Geschichte erzählen.

Mein Handy weilt nicht mehr unter den Lebenden.

Nur der Ehrlichkeit halber teile ich Euch mit wie es dazu kam.

Wenn Euch Leute erzählen, ihr Handy sei „kaputt gegangen“..

 

Eigentlich sind Mr. and Mrs. Smith schuld! Ich ging ins Kino. I

ch habe mir vorher zwei Bier geholt.
Soweit so gut.

Im dunklen Kino ging ich zusammen mit einer Menschentraube auf einen großen Typen zu, der Karten begutachtete und die Plätze zuwies. Dann ging alles ganz schnell.

In dem Gewusel der Menschenmenge hatte ich plötzlich einen Geistesblitz!

Was, wenn man das Bier gar nicht mit rein nehmen darf?! (Neulich ist mir so was ähnliches mit einem Türsteher passiert. Der Typ war ein Schrank und ich wollte nicht rein sondern raus .. Aber das ist eine andere Geschichte..)

Also ich stecke schnell beide Biere in die Tasche. Das schon offene Bier halte ich oben fest und versenke es nur kurz …

Dann:

Das offene Bier prallt auf das untere in der Tasche liegende Bier und schäumt über! Ich stehe vor dem Platzanweiser, reiche ihm schlafwandlerisch meine durchweichte Karte und er erzählt mir irgendwas.

Ich habe die Hand immer noch in der Tasche und es schäumt und schämt und sprudelt und sprudelt…

Ich schleiche mit einer Tasche voller Schaum (keine Ahnung ob gar oben schon was rausquellte) klammheimlich und leise zu meinem Platz. Der Film beginnt.

Nur am Rande:

Wenn mal neben Euch im Kino eine mehr oder weniger junge Frau sitzt, die extrem nach Bier riecht. Das heißt nicht gleich, dass sie Alkoholikerin ist! Nein! Vielleicht ist ihr in der Tasche was ausgelaufen. Habt ihr darüber schon mal nachgedacht?

Jedenfalls habe ich nach dem Film mal den Schaden begutachtet. Das Handy ist wohl hinüber. Aber was macht das schon? Ich bin zwar komplett pleite und habe mir das Geld für diesen Baller-Film aus den Rippen geschnitten um nun von einer tiefen Erkenntnis durchdrungen zu sein: Angelina Jolie wäre das nie passiert!

Was lernen wir daraus:

Niemals Bier verstecken wollen & sich niemals an ein Handy gewöhnen!

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– Friseurtermine –

friseurtermineWollt ihr wissen warum meine Haare recht kurz geraten sind?

Und wehe jetzt sagt mir einer das, was ich ohnehin schon längst weiß, nämlich, dass immer wenn man sagt: „Nur die Spitzen und ein bisschen Schwung reinbringen und den Pony nachschneiden“ man am Ende eine Kurzhaarfrisur hat… !

Nein, nein.

Meine Friseurin kenne ich schon seit 3 Jahren. Sie hat den ganzen Körper voller Tatoos (Dekoltee, Arme) viele Piercings, pechschwarze Haare und einen Block-Pony und so eine Prinz-Eisenherz-Frisur.
Seit Jahren vermute ich, dass sie nach und nach meine Frisur ihrer eigenen angleichen will. Ich warte auf den Tag wo es heißt: „So, und jetzt nur noch schwarz färben..“

Jedenfalls war sie diesmal krank und verliebt..

Sie wirkte als hätte sie Fieber. Und als sie sich dann ziemlich nah zu mir runterbeugte (damit es die ‚Kunden‘ nicht hören) und meinte: „Gestern war einer da, der hatte Salmonellen, wie lange ist denn das ansteckend?“ da war ich schon ganz schön baff..

Aber sie hat einfach gut geschnitten und geschnitten und geredet und geredet..

Während der ganzen Tortur kam ein Bekannter rein und ich glaube er hatte noch nie eine Frau mit Foliensträhnen auf dem Kopf gesehen. Egal.

Jedenfalls wusste ich nach 2-3 Stunden, wo sie in Berlin wohnt, was ihre Tochter so macht, dass sie mal mit der Kleinen in einem besetzten Haus gewohnt hat und die Punks hatten eines Tages alle Gelbsucht und einmal hat sich die Kleine einen Eimer mit Urin aus Versehen übergeschüttet und damals im Osten hat sie immer geklaut und sie trinkt eigentlich auch jeden Abend, die Tochter ist jetzt 13, war lange Tokio-Hotel-Fan, dann Killerpilze, jetzt ist sie Skater. Außerdem hat sich die Gute neulich selber gepierct…

Verständlich, denn das Piercingstudio meinte, sie machen das erst ab 16…

Außerdem ist sie (meine Friseurin) gerade mit einem Italiener zusammen, der zum ersten mal in Berlin war, und sich gleich am ersten Tag beim Springen von einer Bühne das Bein gebrochen hat. Der Typ kifft übrigens relativ viel. Es hieß: Not-OP.

Aber er wollte nicht und ist jetzt wieder bei seiner Mutter in Rom und da meinten die Ärzte übrigens: Ach, ein bisschen Gips und gut is.. (ah ja..)

Jedenfalls hat sie ihn seit dem nicht mehr gesehen. Es gibt da auch gewisse Sprachdifferenzen.. Er spricht kein englisch, kaum deutsch und sie kein italienisch, kaum englisch… na ja..

Sie schreibt ihm Briefe (eine Freundin übersetzt) und er hat bisher nicht geantwortet. Im Januar fliegt sie mit einem Billigflug mal hin. Ich brauche schnell einen neuen Termin bei ihr vorher..

Und am Ende hatte ich dann noch eine Kurzeinführung in ihre Familie. Sie kommt aus Erfurt und ihre Mutter… ihr Bruder… und das Erbe… und…

Und meine Haare waren auf einmal richtig kurz…

Ich habe einfach beschlossen, dass man ab einem gewissen Alter seine Haare auch nicht mehr länger wachsen zu lassen braucht. Das sind schusselige Mädchen-Träume!!

Ich sehe echt gut aus..
Davon mal ganz abgesehen..

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– Nachtzugfahrten –

nachtzugfahrtenEs ergab sich günstig, dass ich in Zürich Silvester feiern solle und so fuhr ich mit einem Nachtzug hin. Eine ‚Sitzmuschel-Fahrt’. Ich stieg um 21:30 in den Zug und fand alles total aufregend und den nachtblau gestalteten Zug ganz interessant.
Das legte sich schnell. Beim Blick auf die ‚Sitzmuscheln’ dachte ich nämlich:

Flugangst hin oder her. Ich hätte fliegen sollen!

Außerdem bestieg eine Familie, mit zwei minderjährigen Kindern laut diskutierend den Zug und setzte sich vor mich. Und: es gibt auch Zugangst. Bei Tempo 300 braucht man sich nur bildlich auszumalen was passiert wenn man mit einem anderem Zug oder einer Brücke kollidiert. Außerdem saßen Abiturienten im Großraumabteil die sich lauthals über ihre Leistungskurse unterhielten.

Dann stellen sich nach und nach alle Gründe ein warum man im Zug, in einer Sitzmuschel einfach nicht schlafen kann. Es ist aus rein logischen und menschlichen Gründen nicht möglich in einer halb sitzenden Position bei ruckelndem und dröhnendem Zug, Gemurmel der Mitreisenden sowie bollernder Heizung und nicht zu öffnenden Fenstern zu schlafen. Auch alkoholisiert unmöglich!!

Ich habe meinen Kopf schließlich zwischen Fenster und Sitz geklemmt, damit er nicht abknickt und den Rest der Nacht gegen die Scheibe schlagend, halb dämmernd lesend, schwitzend unter einem Schal als Decke und Sichtschutz, neidisch Leute beäugend die scheinbar schlafen oder es schafften sich schlafend zu stellen, verbracht.

Mitten in der Nacht in Offenburg angekommen sprang die hinter mir Sitzende auf, nachdem sie aus dem Schlaf hoch geschreckt war. Sie raunzte: „Nicht abfahren! Nicht abfahren!“ Ich betete mit. Sie vergaß eine Tasche, ich hechtete ihr hinterher, an Schlaf nicht mehr zu denken.

Und wie ich so bei den Schlafwagen im Gang an einem geöffnetem Fenster stehe um ein bisschen Luft zu kriegen, sehe ich auf dem Gang original ein Typ in Tshirt, Socken und so einer ekligen Männerunterhose. Der Typ gähnt und kratzt sich. Das ist zuviel. Das nächste mal fliege ich!

Die Rückfahrt im Liegewagen toppt es noch. Ich freue mich riesig, dass ich diesmal liegen kann und sehe mich im Geiste die Fahrt komplett durchschlafen. Der Zug fährt um 20 Uhr und ich teile mein Abteil mit einem älterem Ehepaar, welches sich Schlafwagen-erfahren gibt und sofort in den Betten liegt und einem jungen Paar mit Kind! Ein halbes Säugling, was erst mal noch gewickelt wird. Großartig. Ich beginne zu lesen.

Ich komme mir vor wie in einer dröhnenden Jugendherberge. Doppelstockbetten. Ich finde es amüsant. Dann wird das Licht gelöscht, alle schlafen. Ja aber…

Um 20 Uhr??????? Zugbettgehschlafenszeit lässt sich zwischen Rentnern und Jungfamilien und mir schwer auf einen Nenner bringen. Ich versuche mit der kleinen Leselampe zu lesen. Das Kind greint und zetert. Ein kurzer Blick des Vaters sagt mir: wenn das Licht an bleibt wird ein ganzes Abteil wegen mir nicht schlafen können.

Ich opfere mich der Gemeinschaft. Ich gehe an die Zugbar. Dort trinke ich sündhaft teures Warsteiner. Vorher muss ich allerdings feststellen, dass ich irgendwie im Dunkeln meine Schuhe falsch herum angezogen habe. Ach, nein: ich habe aus Versehen den Schuh einer Mitreisenden an. Auch ein Wanderschuh. Na egal, noch mal zurück und leise im Dunkeln nach meinem Schuh gewühlt. Zurück an die Zugbar.

Ich aber finde mich im Gespräch wieder mit einer Frau, die unechte Wimpern, unendlich viel Schmuck und ziemlich lange, unechte Nägel hat. Sie sieht aus wie ein Christbaum und bittet mich, ihr das Geld in die Hand zu geben, welches sie aufgrund der Länge ihrer Nägel nicht vom Tisch aufheben kann.

Ich leg mich daraufhin spontan schlafen und versuche das dann die nächsten Stunden erfolglos bis Berlin. Überlege trotzdem zu den ‚Sitzmuschel-Abteilen’ zu gehen und die Leute auszulachen, die versuchen im Halbsitzen zu schlafen.

Also die kommende Nacht in meinem eigenem Bett war ein Hochgenuss. Und ich hatte schöne Träume von Züricher Läden in denen ich an der Kasse gefragt werde ob ich ein ‚Säckli’ (Tüte) möchte..

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– Im Sportverein –

im-sportvereinIm neuen Jahr möchte ich mehr Sport machen. Also gehe ich in einen Badminton-Verein zum Probetraining. Soweit so gut. Ich erwarte: Knieschützer, Schweißbänder, Muskelfaserrisse, hartes Training.

Aus meinem weit reichenden Erfahrungsschatz des Unisports (17 Semester) weiß ich, dass Männer beim Badminton (vielleicht ähnlich wie beim Tischtennis) meistens aussehen wie Goofy oder Homer Simpson. Doch was mir an diesem Abend begegnet ist anders und doch nicht minder verstörend. Erst mal erwarten mich in der Halle nur 3 oder 4 Hanseln die sich nicht trauen Hallo zu sagen.

Na ja, kann alles noch werden, erst mal umziehen. Dann stellt sich die Wahl: Spiele ich mit den vier ca. 60,70 jährigen Herren oder mit dem 16jährigen Jüngling mit Milchbart (der Milchbart ist ein eindeutiges Anzeichen für die vaterlose Gesellschaft!)?

10 Minuten später: Ich will gerade anfangen mit Mr. Pubertät zu spielen (die älteren Herren sind in einem Match), da sagt der doch tatsächlich zu mir: „Normalerweise wärmt man sich vorher ein paar Runden auf!“ Unfassbar! Also gut, ich kann mir das Lachen gerade noch verkneifen und hoppele drei Bahnen um die Halle wobei ich merkwürdig beäugt werde (was auch daran liegen kann dass ich seit dem Schulsport vor 10,15 Jahren keine ‚Runden’ in Hallen mehr gelaufen bin). Schließlich beginnen wir zu spielen. Nach einer Weile passiert es:

Bumm.

Der Jüngling sagt zu mir: „ Wollen Sie auf der linken Hälfte spielen?“ ÄH?? Was??
Der siezt mich!!!!!
Ich fasse es nicht. Ich brülle zu ihm rüber, dass er mich dutzen kann und beiße mir dabei auf die Zunge. Ich überlege zu fragen ob ich seine Mutter beim nächsten Elternsprechtag mal bitte sprechen könne. Während des weiteren Spiels kommen mir einige nicht-jugendfreie Gedanken hoch.

In einer kurzen Pause: „Wollen Sie mal ein Schluck Wasser trinken?“ kommen die 60,70jährigen rübergeschlufft.

Der eine erzählt mir kurz irgendwas und klopft mir dann freundschaftlich auf den Hintern. Wer weiß, vielleicht wollte er nur nett sein und hat einfach den verlängerten Rücken erwischt. Man weiß es nicht. Nun gut. Milchbart erneut zu mir: „Wollen Sie nicht da drüben spielen?“

Er deutet auf die 3 inzwischen eingetroffenen Frauen, die am Ende der Halle bereits spielen. Ich nehme dankbar an und gehe rüber. Leider konnte ich von soweit weg nicht erkennen, dass es sich bei denen „da drüben“ um 50 jährige Frauen handelt. Herr im Himmel! Ich bin 29!

Ist es schon soweit? Typ Mutter? Typ Kurzhaarschnitt? Typ Kurzhaarschnitt gewellt und gesträhnt? Typ Wattejacke von Tchibo?

Ich meine: eine von denen hat ernsthaft schon graue Haare. Und die anderen haben so neckische Kurzhaarschnitte, die sich GOTT-sei-es-GETROMMELT jede Frau ab 40 schneiden lässt. Kurze Haare, Dauerwelle, blond oder rot gefärbt. Noch dazu schlecht gefärbt. Nein. Nein. Es kann noch nicht soweit sein.

Und dann diese verkrampften Gesichter. Zugegeben, die Damen spielen wirklich gut, eindeutig besser als ich…. Zack. Aufschlag. Verloren, gut wir wechseln.

Mal mit anderen spielen. Im nächsten Moment finde ich mich wieder mit Milchbart, Arschklopfer und noch einem anderen 60 jährigen. Leider spielen diese wirklich noch besser und vor allen Dingen lange. Die Herren möchten das System spielen was im Badminton üblich ist und einigermaßen frauenfeindlich. Ich habe es schon beim Unisport immer gehasst und da wurde es meist nicht gespielt. Höchstwahrscheinlich weil man Angst hatte dass eine Gender-Studentin sich beschwert. Jedenfalls steht der ‚schlechtere Partner’ vorne und das ist beim Badminton ziemlich automatisch die Frau.

Ach egal. Nur leider komme ich mit dem System nicht klar und zwar deshalb weil ich a) gerne hinten spiele um mal zwischendurch auf den Ball draufzudreschen und b) vorne am Netz gar nicht spielen kann weil ich anfange zu schielen und dann nix mehr sehe und mich im Netz verheddere. Das habe ich dann auch versucht zu erklären während mein vermeintlich so viel besserer Spielpartner Milchbart hinten hin und her hechtete.

So kam dann das nächste Problem auf mich zu. Frauen dieser Welt! Hört mir zu, ich gebe Euch einen guten Rat! NIEMALS unter KEINEN UMSTÄNDEN  beim Sport (oder am besten nirgendwo) so was sagen wie: „Das verstehe ich nicht“ oder „ Wieso muss ich vorne stehen?“.  (In dieselbe Kategorie fallen auch Fragen wie: „Wieso benutzt man ausgerechnet diese Angelrute?“, „Was genau ist eigentlich dieses Abseits?“ oder „Wie genau funktioniert denn dieses Computerprogramm?“)

Arschklopfer, Milchbart und der 60jährige stürzten auf mich zu und beginnen alle gleichzeitig wild gestikulierend mir zu erklären und zu zeigen. Wie gerne Männer erklären! Die Arme rudern, man stellt sich hinter mich, zeigt mir die Bewegungsabläufe, man führt meinen Schläger.

Arschklopfer legt beruhigend seine Arm um mich: „Hey, Du machst das schon ganz gut.“ Dann tritt der 60jährige auf mich zu. Er tritt GANZ NAH an mich ran um mir zu erklären wohin ich mich nach dem Aufschlag bewegen muss. Das ist nett aber leider kann ich mich nur auf seine krass langen Augenbrauenhaare, Nasenhaare und Ohrenhaare konzentrieren. Ich raffe es einfach nicht. Sagt ihm das niemand?  Schaut der mal in den Spiegel?

Gut, die Männer sind fertig und gehen befriedigt glucksend an ihre Plätze zurück. Ich durfte mit großen staunenden Augen von ihnen lernen. Das Spiel gestaltet sich danach einigermaßen aber ich muss immer wieder mit den Spielpartnern ‚einschlagen’. Have five. Yeah!

Das habe ich auch nie kapiert. Davon abgesehen, dass ich das nicht kann und immer halb daneben schlage oder schluffig flapschig irgendwie auf die Hand treffe und mir dabei TOTAL stulle vorkomme, davon abgesehen haben manche Männer raue eklige hornhautige, rissige Hände. Ich ziehe mich dezent nach dem ‚Match’ zurück.

Am Rande sitzend schaue ich mir das Paar an, was auch noch zum Spielen hinzugekommen ist. Gerade als ich denke, es könnte alles nicht schlimmer kommen sehe ich, dass der bierbäuchige Freund ein Tshirt trägt mit der Aufschrift: „Ich bin über 30 und habe trotzdem Spaß!“

Ich will einfach nur weg. Gut, dass sich die Veranstaltung zum Ende hinneigt, ein bisschen deprimierend sucht Milchbart im Spurt das Weite und das, obwohl ihm hinterher gerufen wird: „Mensch, Du kannst doch noch mit der jungen Dame spielen!“ Nun gut, auch ich ziehe mich um.

Beim Rausgehen schaue ich mir auf einer Tafel noch die anderen Angebote des Vereins an: Volleyball, Fitness, Schach, Asphalt-Kegeln…

Huh? Asphalt-Kegeln? Ich stelle mir vor, wie der Trainer da in die Hände klatscht und ausruft: „So, die Kegelbahn ist zu teuer, wir gehen jetzt mal raus on the Street!“ Klar, wahrscheinlich sind beim Schach und Asphalt-Kegeln die coolen, süßen, hippen Typen Berlins anzutreffen, denke ich und mache mich auf dem Weg zum Spätkauf.

Und da stehe ich dann mit zwei Sternburg und Zigaretten an der Kasse, prompt ist einer der ersten Mitspieler vor mir an der Kasse (ein verhuschter ca. 26jähriger der so unauffällig war, dass ich ihn kaum gesehen hatte). Er wirft einen Blick DER BÄNDE SPRICHT auf meinen Einkauf und was kauft der?? Eine Zitrone. Ich bin mir dann doch ziemlich sicher, dass er zusammen mit seiner braunhaarige, bebrillten Freundin eine heiße Zitrone trinkt und früh zu Bett geht.

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